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Nepal und Corona

Situation per 12. Mai 2020


Am 12. Mai 2020 schrieb Ursula Meichle folgenden Brief an die Patinnen und Paten:

 

Liebe Patinnen und Paten

 

In Kathmandu wurde der Lockdown bis am 18. Mai verlängert. Er wird sehr streng gehandhabt und die Polizei scheut nicht vor Gewalt zurück. Offiziell spricht man von 191 Infizierten; getestet wird wohl nur ganz selten. Die Schweiz hat vor ein paar Tagen 30‘000 Testsets nach Nepal geliefert; gemäss deren Gesundheitsminister hätten sie sonst gar keine Tests mehr durchführen können...

 

Die Manjughoksha Academy hat ab Klasse 6 auf online-schooling umgeschaltet. Die Lehrer stehen in Kontakt mit ihren Schüler*innen und ich bin freudig überrascht, wie es funktioniert. Die Wenigsten haben allerdings Zugang zu einem Computer, so wird vieles per Handy abgewickelt. Auch wenn nicht alle Kinder erreicht werden können, ist das Resultat erfreulich.

 

Wir stehen in engem Kontakt mit der Schulleitung in Kathmandu und mit unserem ehemaligen Schüler, Dawa Norbu, im Manaslu-Gebiet. Viele unserer Kinder kommen aus dieser Region und sind jetzt bei ihren Eltern. Dawa konnte bereits eine grössere Anzahl Kinder und Eltern in Samagaun versammeln und ihnen das Geld für ihre Familien übergeben (s.Fotos). Sie lassen alle ganz herzlich danken! Die Unterstützung ist für die Familien sehr wertvoll, kostet der Lebensunterhalt während dem Lockdown ein mehrfaches da sie nicht mehr im nahegelegenen Tibet einkaufen können. Dawa schreibt:

 

It is very expensive to give relief due to very high transportation cost by mule and porter. A sack  rice of 30 kg costing chf 14, cost chf 52 in village. All it is due to high transportation cost as we don't have access to roads and only mules would supply the basic needs which takes 5 days for them to reach to village.

 

Ich freue mich sehr, dass wir etwas zur Entspannung der Situation beitragen können und danke Ihnen herzlich für die grosszügige Unterstützung, die wir bereits erfahren durften! Ihnen wünsche ich weiterhin alles Gute und bleiben Sie weiterhin gesund!

 

Freundliche Grüsse

Ursula Meichle








Situation per 11. April 2020


Zur aktuellen Situation hat Ursula Meichle, Präsidentin des Manjushri Vereins, folgende E-Mail an alle Gönnerinnen und Gönner versendet:

 

Liebe Gönnerinnen und Gönner des Manjushri Vereins

 

Wir sind alle gut über den neuesten Stand von COVID19 in Europa und Amerika informiert. Informationen zu Nepal finden den Weg in unsere Presse aber nicht. Wir stehen in regelmässigem Kontakt mit der Schulleitung und unseren Leuten vom Drokpo Team. Von ihnen weiss ich, dass die Lage nun auch in Nepal aussergewöhnlich ist. Die Regierung hat – etwas verspätet – grosse Angst und vor 10 Tagen einen kompletten Lockdown angeordnet. Dieser ist nun um weitere 14 Tage verlängert worden. In Kathmandu heisst das, dass man nur morgens früh zwischen 4 und 8 Uhr einkaufen darf und sonst Ausgangssperre herrscht. Die Polizei, mit Knüppel ausgerüstet, überwacht die Anordnung aufs schärfste.

 

Die Preise für Grundnahrungsmittel sind in Kürze enorm in die Höhe geschossen und bald können sich viele Leute das Essen nicht mehr leisten. Zum Beispiel auch die Eltern unserer Kinder, welche ihr kleines Einkommen meist als Taglöhner oder mit einem Kleinstgeschäft verdienen. Sie alle werden noch längere Zeit gar kein Einkommen mehr haben. Der Manjushri Verein will diesen Familien helfen und sieht vor, jeder Familie (via Schulleitung) CHF 100 zukommen zu lassen. Helfen Sie mit, dieses Ziel zu erreichen. Wir brauchen dafür rund CHF 15‘000.

Für Ihre Unterstützung danken wir Ihnen ganz herzlich!

 

Freundliche Grüsse

Ursula Meichle

 

PS: Auf dem Bild im Anhang sieht man Doma gesegnete Medizin an alle Kinder verteilen; als Schutz vor dem Corona VirusJ.





Melanie Meichle ist Mitte März 2020 aus Kathmandu zurückgekehrt. Sie beschrieb die Lage in der Manjughoksha Academy wie folgt.


Lage in der Manjughoksha Academy per 20. März 2020


Nepal ist gemäss offizieller Aussage des Premierministers Sharma Oli vom 20. März noch immer coronafrei. Wenn man bedenkt, dass das Land eine Grenze mit China teilt und bis letzte Woche voll von Reisenden aus aller Welt war, scheint dies eher unwahrscheinlich.
 
Eine der wenigen Massnahmen, welche die Regierung bereits Anfang März verordnet hatte, war eine frühzeitige Schliessung aller Schulen im Land. Das nepalesische Schuljahr endet normalerweise Ende März. Die Schulen mussten nun bereits am 18. März schliessen. Die Manjughoksha Academy hat daraufhin die eine Woche dauernden Abschlussexamen um zwei Wochen nach vorne verschoben. Bis zum 10. März herrschte durchgehender Schulbetrieb für Alle, auch am schulfreien Samstag. Sämtliche Kinder, ausser aus Klasse 10, sind vor zwei Tagen nach Hause zurückgekehrt. Die Situation für alle Zehntklässlerinnen und Zehntklässler im Land scheint aber komplizierter. Das Abschlussexamen für Klasse 10 ist national für alle Jugendlichen dasselbe und wird durch die Regierung durchgeführt. Gestern Donnerstag hätten die Examen beginnen sollen. Am Mittwoch Morgen teilte die durchführende Institution gemäss Sonam (Co-Schulleiterin der Manjughoksha Academy) mit, dass die Examen wie geplant stattfinden würden. Die Schülerinnen und Schüler sollten doch bitte Masken und Desinfektionsmittel selber mitbringen, da die Regierung nicht genügend Budget habe, um diese vor Ort zur Verfügung zu stellen. Am Mittwoch Abend liess die Regierung dann verlauten, dass die Examen am nächsten Tag doch nicht stattfinden und auf unbestimmte Zeit verschoben würden. Die Internatschülerinnen und -schüler der Manjughoksha Academy, 13 Jugendliche, sitzen bis jetzt auf Weiteres in der Schule. Im Moment weiss niemand, wie es Morgen weitergeht.